Trakl-Zyklus

 

In den Jahren 1987/88 entstand der Trakl -Zyklus. Ausgestellt wurde ein Teil der entstandenen Bilder und Grafiken im Verein MUSIKonTEXTE in Saarbrücken. Eine kleine Auswahl aus diesem Projekt ist hier zu sehen.Die lebensgroße Plastik Dich sing ich wilde Zerklüftung wurde in den Jahren 2013/14 fertig gestellt. Sie gehörte nicht zum ursprünglichen Zyklus, vervollständigt ihn aber, da ich mit den damaligen Bildlösungen zu dem Gedicht Die Nacht, nie so recht zufrieden war.

 

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Verwandlung
Verwandlung

Oxidiertes Blattsilber, Tusche, Schellack und Ölfarbe auf Silberstiftgrund auf Karton 70x96 cm, 1988
Private Kunstsammlung, Berlin

 

 

 

 

sonja

Sonja
Tusche und Aquarell auf Karton 32,5x50 cm, 1987

 

 

 

Sonja

Abend kehrt in alten Garten;
Sonjas Leben, blaue Stille.
Wilder Vögel Wanderfahrten;
Kahler Baum in Herbst und Stille.

Sonnenblume, sanftgeneigte
Über Sonjas weißes Leben.
Wunde, rote, niegezeigte
Läßt in dunklen Zimmern leben,

Wo die blauen Glocken läuten;
Sonjas Schritt und sanfte Stille.
Sterbend Tier grüßt im Entgleiten,
Kahler Baum in Herbst und Stille.

Sonne alter Tage leuchtet
Über Sonjas weiße Brauen,
Schnee, der ihre Wangen feuchtet,
Und die Wildnis ihrer Brauen.

 

 

 

 

 

 unter dornenboegen
Unter Dornenbögen

Tusche und Aquarell auf Karton 28,2x40,9 cm, 1988

 

 

 

245 WV 409 88 Unter Dornenboegen TZ

Unter Dornenbögen
Mischtechnik auf Karton 28,7 x 41,4 cm | 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

UNTERGANG


Über den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen.
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
Über unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.

 

 



Geburt
Geburt

Tusche auf Karton 19x23 cm, 1988
Private Kunstsammlung, Saarbrücken

 

 

Geburt

Gebirge: Schwärze, Schweigen und Schnee.
Rot vom Wald niedersteigt die Jagd;
O, die moosigen Blicke des Wilds.


Stille der Mutter; unter schwarzen Tannen
Öffnen sich die schlafenden Hände,
Wenn verfallen der kalte Mond erscheint.


O, die Geburt des Menschen. Nächtlich rauscht
Blaues Wasser im Felsengrund;
Seufzend erblickt sein Bild der gefallene Engel,

Erwacht ein Bleiches in dumpfer Stube.
Zwei Monde
Erglänzen die Augen der steinernen Greisin.

Weh, der Gebärenden Schrei. Mit schwarzem Flügel
Rührt die Knabenschläfe die Nacht,
Schnee, der leise aus purpurner Wolke sinkt.




 

 

grodek

Grodek
Mischtechnik auf Karton 35x48,5 cm, 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düster hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,
Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

 





Trakl G

Georg Trakl
Oxidiertes Blattsilber und Farbe auf Nesselgewebe 39x52 cm, 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

43 D s i Seitl Duplex

Dich sing ich wilde Zerklüftung
Mixed Media, Höhe: 186 cm  Breite: 55 cm Tiefe: 30 cm
Oberfläche: oxidierte Silberschichten, 2014

 

 

 

Die Nacht

Dich sing ich wilde Zerklüftung,
Im Nachtsturm
Aufgetürmtes Gebirge;
Ihr grauen Türme
Überfließend von höllischen Fratzen,
Feurigem Getier,
Rauhen Farnen, Fichten,
Kristallnen Blumen.
Unendliche Qual,
Daß du Gott erjagtest
Sanfter Geist,
Aufseufzend im Wassersturz,
In wogenden Föhren.

Golden lodern die Feuer
Der Völker rings.
Über schwärzliche Klippen
Stürzt todestrunken
Die erglühende Windsbraut,
Die blaue Woge
Des Gletschers
Und es dröhnt
Gewaltig die Glocke im Tal:
Flammen, Flüche
Und die dunklen
Spiele der Wollust,
Stürmt den Himmel
Ein versteinertes Haupt.

 

 

 

 

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