Die 1980er Jahre 

 

 

Ein Traum von Winter GEin Traum von Winter
Eitempera und Öl auf Leinwand 190 x 190cm | 1981
private Kunstsammlung, Hamburg


 

 

 

000 84 David IIDavid II
Zeichnung auf Karton 1984
Private Kunstsammlung

 

 

 

Laudatio von Gerhard Stebner | 1982

"Christoph M. Frisch bekennt sich zu seiner Herkunft vom Phantastischen Realismus, insbesondere von den Bildern Franz Radziwills (1895 - 1983) der über seine Kunst sagt: "Eine Hölle brauchte ich nicht zu erfinden, wie Bosch es tat; ich erlebe sie ja rings um mich her, wenn man unter Hölle das Ungeordnete, das Verworrene versteht. Es ist Wirklichkeit was ich male, denn mit den leiblichen Augen und meiner Phantasie sehe ich in immer neuer Gestalt auflösende und zerstörende Kräfte." Radziwills

Devise, "das Unwirkliche, Unsichtbare, Verborgene ahnbar zu machen", kann auch für Frisch gelten. Später lernt Frisch, über die Manifeste des Surrealismus von André Breton den Surrealismus kennen. In seiner Malerei reduziert Frisch das Phantastische auf den symbolischen Aspekt. Er sagt: "Symbole vermögen sowohl alltägliche wie auch mystische Momente zu integrieren." Beide Momente verarbeitet er, wie sie sehen, in einer altmeisterlichen, sorgfältigen Technik genauer Detailwiedergabe."

 

Radziwills Devise, "das Unwirkliche, Unsichtbare,

Verborgene ahnbar zu machen", kann auch für Frisch gelten.

 

Beeinflusst von Bretons „La femme invisible“, stützt er sich auf folgende Sätze: „Die Ewigkeit liegt im Moment, im Nu – nicht in der Zukunft“, „Symbole sind die Buchstaben der Ewigkeit.“ Das heißt, seine Bilder werden in jedem Moment in dem sie betrachtet werden, erneut lebendig; die Einsichten und Durchblicke, die sie eröffnen, gründen in einer Sphäre unabhängig vom Betrachter und von Raum und Zeit. Symbole befähigen zu vertiefter Wahrnehmung und Transzendierung der Alltagswirklichkeit.

 

 

000 84 Die Insel

Die Insel
Zeichnung auf Karton |1984  Privatsammlung

 

 

In jüngster Zeit erprobt Frisch sein künstlerisches Konzept in sogenannten „Mumien“, auch erotischen Mumienstudien, die in gewisser Weise schon Vorläufer haben, z. b. Magrittes „Les amants“ (1928). Verweisen diese Verhüllungen nicht doch auf das Geheimnis der Verpackungen Christos? Die mit Tüchern eingewickelten und verbundenen Menschen, die Frisch malt, lassen mich an Schutzbedürftige, Verwundete, Angstbesessene, Kranke, Schuldiggewordene denken; alle diese bedürfen einer maskenhaften Drapierung: aus Angst vor Verletzungen, aus Scham vor der Freigabe des Ich, auf dem Rückzug vor der Verantwortung, auf der Suche nach dem Heil.

So hält Frisch uns einen Spiegel vor; mit seinen Worten: „Hier ist ein Krieg, ein magischer Zauber, ein Gott oder der Bannspruch eines Narren über die Menschen gefegt und hat sie zur Sprachlosigkeit verurteilt. Da stehen tausend Masken und für jede, die fällt, tauchen tausend andere aus der Dunkelheit des Unbewussten auf. Hier konserviert sich der Mensch vor dem Ewigen, vor sich selbst, vor Alter und Tod, da er sich selbst als klein und endlich empfindet, doch tatsächlich groß und potent sein will – allmächtig...“

Christo vereinfacht und verzichtet aufs Überflüssige. Frisch macht auch etwas sichtbar, dass nämlich Menschen nie oder selten sich ganz objektiv, also ohne Maske (ohne Verpackung) gegenübertreten.

So regen seine Bilder, insbesondere seine „Mumien“ zum Nachdenken und Weiterspinnen eines Themas an. Ich habe mich gefragt warum Frisch seine Schöpfungen gerade „Mumien“ genannt hat? Sind wir in gewisser Weise schon jetzt einbalsamierte und konservierte Tote, die nicht mehr leben und zu lieben wagen? Im Johannesbrief (1. Joh. 3,14) steht ja: „Wer den Bruder nicht liebt, der bleibt im Tode.“ Liebe würde in diesem Zusammenhang bewirken Auferstehen, Sich-Öffnen, Sich befreien von Tüchern und Verhüllungen. Dieser Befreiungsakt ist auch wesentlich für die erotische Liebe.

Der Surrealismus als Bewegung ist tot, aber seine Folgen sind, wie frischs Arbeiten zeigen, unübersehbar und lebendig. In diesem sinne Maurice Blanchot schon 1944 in „La Part du Feu“:

 „Der Surrealismus wäre verschwunden? Er ist vielmehr weder hier noch dort: Er ist überall. Ein Fantom ist er, eine strahlende Besessenheit. Er ist – eine verdiente Metamorphose – selber surreal geworden.“



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