Zu  Ein Traum von Winter 1981 _________________________________________________________________ 

Mat ETW

 

Mat ETW4

Zwei Selbststudien zu "Ein Traum von Winter", 1981/82


"Es zeigt sich, dass das Alphabet schon geschrieben ist. Dem Künstler verbleibt, den verzweifelten Wunsch, sich gegenseitig zu suchen, zueinander zu finden und zu erkennen, auszudrücken. Er beschreibt die "Diskrepanz zwischen Wunsch und Vermögen." (CMFrisch) Überzeugend gestaltet mit Hilfe von Mumie und Maske, wird Entmenschlichung und Beeinflußung innerster Bedürfnisse uns so vor Augen geführt, dass wir uns betroffen fühlen..."

Auszug aus einer Laudatio von Stefan Raquet, 1982






Zu Rimbaud 
1982 ________________________________________________________________________


 

Rimb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 








53






ueb akt BW
































 

54






 

























Masken
1983 _________________________________________________________________

 

Akt mit Masken

Sitzender Akt mit Masken

 

 

steh-m-mask

Stehender Akt mit Masken


 

Übermalungen 1984 _________________________________________________________________

 

193 OT 84
Ohne Titel | 1984

 

 

194 OT 84
Ohne Titel | 1984

 

 

 

195 OT 84
Ohne Titel | 1984

 

 

 

196 OT 84
Ohne Titel | 1984

 

 


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Oneiroi

 

Phantasos 1
Phantasos 
Eitempera und Marmor auf Leinwand 100x130 cm | 2007 |
Privatsammlung

 

 

 

Oneiroi

 
Vonnöten - lange Fingernägel kratzen vom schrundigen Leinen Bilder im Herzen der Nacht. Prozesse im Innern waidwund gestoßen. Einander gleichen ohne Derselbe zu sein. Was birgt der Wühler im Grund? Findet er Erkennen? Mit langem starren Blick: Er sieht die Bilder nicht. Raum im Rücken, vor den Schritten bröckelt der Grund. Distanzen sonnenverbrannter kalkiger Erde mit den Schatten von Heldenfiguren. Zerbrochene Götter jenseits des Schmerzes. Sie lieben die verlorene Weite des zärtlichen Windes. Mit getränkten Federn hat man ihre Namen in den nächtlichen Himmel geritzt. Wer singt nun die funkelnden Tropfen? Wer sammelt in Unterweltkneipen die lichtkühle Nacht? Er hat sie nicht gesehen. Einzigartig, wer jetzt noch wissen will. Doch die Tritte im Sand streben eilig davon. Belüge nicht - die Schaumkronen im gezierten Blau, Mohngesänge und den Hunger nach dem Rauschen der Schwingen. Leuchteten euch Kerzen oder Fackeln zum gestrigen Abendmahl? Zittrige Schatten der Oneiroi, verhangen drückende Erdschwere. Einverstanden mit jedem trügerischen Sinn.


Christoph M Frisch


 

 

Labyrinth2781

Labyrinth
Eitempera und Marmor auf fünf Leinwänden. 90x24 cm | 2005

 

 

 

Auf der Suche nach dem Mythos
Christoph M Frisch | 2007

Schöpfte und behandelte das bekehrte mittelalterliche Abendland, in seiner noch jungen Kunstgeschichte, fast ausschließlich Themen aus dem alten und neuen Testament, so drängte sich in der Renaissance die Antike mit allen ihren Göttern, Helden und Fabelwesen, zwischen das Aufgebot der christlichen Bilderwelt. So gestaltete sich das Erforschen und der Erhalt neuen Wissens, nicht einzig aus einer in die Zukunft gerichteten Perspektive. Viele Antworten fand man in einer Rückschau, die bei Beschuldigungen durch die Inquisition auch als Verteidigungshilfe für eigene Positionen dienlich sein konnte. Die Aufsehen erregende Wiederentdeckung von Marmorstatuen und Figurengruppen der Antike, wie z. B. der des Laokoon (1506 in Rom wieder gefunden und heute im Vatikanischen Museum) und deren Wirkung auf die Kunstschaffenden, lässt sich nur erahnen. Ihre Sinnlichkeit und die bis auf den heutigen Tag verblüffende Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer, zerrten nachdrücklich am Gestrüpp, der mit Geboten und Verboten belegten Darstellungsvorgaben christlicher Themen. Die Ansicht von Kunstwerken, deren Optik bisher nur in Beschreibungen einem kleinen gebildeten Kreis vorlag, erleichterte von nun an die Möglichkeit, Ideen zu formulieren, die ihre Erzeuger zuvor in ernste Schwierigkeiten gebracht hätten. Denn wie schnell wurde Kritik an der gesellschaftlichen Ordnung, oder gar am Klerus selbst, mit dem Stigma der Häresie versehen. Den Fundstücken aus der griechischen und römischen Welt hingegen, war ihrer ästhetischen Ausstrahlung wegen, nur schwer der Nimbus von Heidentum und dem damit verbundenen Bösen zuzuschreiben.

Solche Betrachtungen ließen sich traditionell mit den alten Kulturen der nordischen Völker viel einfacher bewerkstelligen. Dies hatte Tradtion. Denn schon die Römer demonstrierten ihre Geringschätzung. Fremd zeigten sich die Riten von Germanen, Goten oder Langobarden und lagen nun im Dunkeln der Geschichte, die der Zusammenbruch des römischen Imperiums hinterlassen hatte. Die kulturellen Hinterlassenschaften waren für die Zentraleuropäer mit nicht lesbaren Schriftzeichen versehen. Keinem Künstler der Renaissance wäre es in den Sinn gekommen, deren Mythologie in seinen Werken zu behandeln. Erkennntnisgewinn und das Streben nach immer größerer Perfektion, in Darstellung und Ausdruck, konnten hingegen durch das Studium antiker Kunstwerke erlangt werden. Stellvertretend sei hier Michelangelo benannt. Wie hätte sich wohl die Darstellung der menschlichen Figur ohne seine Antikenstudien entwickelt?

 

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Oneiroi  Tusche auf Ingreskarton | 2007

 

 

 

 

Im Mythos wird Wissen durch Erzählung übermittelt.

 

 

In der Vergangenheit spielten diese mythischen Stoffe in einer Götterwelt, deren Protagonisten mit menschlichen und natürlich auch übermenschlichen Eigenschaften ausgestattet waren. Bei genauer Betrachtung lassen sich die handelnden Figuren meistens auch einer tatsächlichen und geschichtlich rekonstruierbaren Epoche zuordnen. Diese aus dem historischen Kontext fixierten Positionen, haben sich in unseren Tagen stark verändert. Subkulturelle Aspekte fluteten richtungs- jedoch nicht bedeutungslos, munter die inzwischen längst geschlossenen Hörsäle humanistischer Bildungsanstalten. Durften in den Bildern von David, die Tugenden der französischen Revolution, in den Gewändern antiker Helden posieren, so hatte sich der Elan im ausgehenden 19. Jahrhundert ziemlich abgenutzt. Themen der Antike dienten oftmals nur noch, der ansonsten tabuisierten Darstellung von Erotik. Mit Analogien gespickte Reden, sollten mehr den Bildungsstand des Vortragenden positiv beleuchten, als Inhalte transportieren. Doch mit dem Abklingen des antiken Themenkanons traten im Zeitalter der Nationenbildung die nordischen Kulturen, erstmals seit der Christianisierung Europas, in den Fokus der Kunstschaffenden. Auf der Suche nach Identität, versuchten sich die Geister der Klassik in einer Absetzbewegung. Die Romantik war geboren. Ein evolutionärer Prozess, der immer wieder die Kunstgeschichte bestimmte, in der Geister einer verklärten Vergangenheit, zu Zeugen der Avantgarde hinzu gezogen wurden. Dichtungen wie „Die Edda“ gelangten aus den Gelehrtenstuben in die Köpfe und Ateliers der Kunstschaffenden. Dass dabei so manche inhaltlich klaffendede Lücke interpretiert werden musste, lag nahe. Die Archäologie war schließlich noch eine sehr junge Disziplin. Aber diesem kreativen Überbrücken entsprangen fesselnde Kunstwerke des 19. Jahrhunderts. Allen voran sei hier das Werk Richard Wagners, als Beispiel eines gelungenen Experiments benannt.

 

 

 

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Oneiroi  Tusche auf Ingreskarton | 2007

 

 

Noch einmal wurde die Mythenwelt der nordischen Völker unter den Nationalsozialisten bemüht. Hier diente sie freilich der obskuren Beweisführung einer frei erfundenen Rassenlehre (Mythus im 20.Jahrhundert/ Rosenberg). Viele deutsche Künstler schlossen sich diesen kruden Theorien an und schufen, unter dem mythologischen Deckmantel, einen sinnentleerten Brei aus antiken und nordischen Elementen. (u.a. Joseph Thorak u. Arno Breker) Heute beobachten wir wieder ein Amalgam aus althergebrachten und neueren Elementen, jenseits einer strengen Fixierung auf historische Authentizität. Durfte sich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, Vertreter der psychedelischen Generation, noch durch das tolkiensche Mythenlabor lesen, so wurde mit dem Voranschreiten der Computertechnik, der Hörsaal  mit dem Kinosaal getauscht. Das Bedürfnis auf mythische Stoffe zuzugreifen, blieb jedoch vorhanden. Die Lücken die das verblassende christliche Gedankengut hinterlassen hat, wird mehr und mehr mit Versatzstücken solcher Themen ausgefüllt. Dabei ist die Zahl der Interessierten, die auch nicht mehr einer spezifischen gesellschaftlichen Gruppe zuzuordnen sind, größer denn je. Die Unterhaltungsindustrie auf ihrer Suche nach Themen bedient sich, ohne Berührungsängste, lässt in Computerspielen und Kinofilmen (Der Herr der Ringe, Troja, Games of Throns), ebenso wie in der phantastischen Literatur (George R. R. Martin, Dan Simmons), mythische Welten wiedererstehen. Aber natürlich gibt es auch heute die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Mythos innerhalb der Künste. Sie sind alle mit dem Attribut versehen, grundlegende, fundamentale Stoffe zu benennen.

 

 

 

004 07 Oneiroi

Oneiroi  Tusche auf Ingreskarton | 2007

 

 

 

Im Mythos wird Wissen durch Erzählung übermittelt. Seine Transformation zum Bild erschafft eine sprach- bzw. wortlose Ebene die, ist sie nicht gerade als Illustration angelegt, ihre Lesbarkeit unter Umständen gänzlich verloren hat und sich oft nur anhand des hinterlegten Bildtitels zuordnen lässt. Doch auch mit dieser Vorgabe birgt das Wissen, um die mythologische Vorlage, nur einen Aspekt von vielen Betrachtungsmöglichkeiten. Dass dabei Großes geschaffen wurde, sehen wir z. B. im Werk Anselm Kiefers und natürlich, neben vielen vielen anderen Künstlern, auch in den Arbeiten eines Joseph Beuys. Bei der Auseinandersetzung mit dem Mythos nutzen die Künstler das Gerüst eines großen Rahmens, innerhalb dessen sie ihre Schöpfungen wachsen lassen können und deren Ausmaße sie selbst bestimmen. Es hat einen besondereren Reiz sich dem nahezu zeitlosen Klang mythischer Erzählungen zu nähern. Diese erfahren deshalb auch immer wieder neue Interpretationen. Ihre nun miteinander vergleichbaren Umsetzungen in den schreibenden, darstellenden und bildenden Künsten, zeigen uns menschliche Kulturgeschichte, in ihrer lebendigen Entwicklung. 

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Oneiroi 2915
Oneiroi 
Eitempera, Pigment, gem. Marmor auf Karton | 2007

 

 

 

 

Oneiroi 2922
Oneiroi 
Eitempera, Pigment, gem. Marmor auf Karton | 2007

 

 

 

 

WV 3008 IV
IV
Eitempera auf Leinwand | 2007

 

 

 

 

WV3001 Anything
Anything
Eitempera und Zeichnung auf Karton | 50 x 70 cm
2008

 

 

 

 

Lysthea
Lysthea
Tusche, Aquarell auf Ingreskarton | 2007

 

 

 

 



2007 Phobos

Phobos
Eitempera und Marmor auf Leinwand 100x130 cm, 2007

 

 

 

 

Phantasos
Phantasos
Schmelzglas, Silber, Schellack
auf Holztafel |
Private Kunstsammlung




Über die Verfügbarkeit einzelner Arbeiten können Sie sich hier informieren oder Sie kontaktieren mich direkt.

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Verwundungen


 Lr
Raum
Öl, Sand, Pigment auf Leinwand 100 x 190 cm
Privatsammlung, Berlin

 

 

Chiaroscuro

In den achtziger Jahren enstanden zahlreiche Gemälde in der Chiaroscuro Technik. Dieses aus der Spätrenaissance stammende Gestaltungsmittel ist eine extreme Hell-Dunkel-Malerei und wurde damals sowohl in der Grafik, wie auch in der Malerei eingesetzt.

In ihrer extremster Ausrichtung findet man diese Malerei bei Caravaggio. Er beleuchtete die Modelle mithilfe von Spiegeln, die das Sonnenlicht in sein Atelier reflektierten und schuf so die beeindruckenden, dramatisch harten Lichteffekte auf seinen Figuren. Diese von der Kunsthistorik als Tenebrismo bezeichnete Variante findet ihr Gegenstück im, als Sfumato benannten, lasurgeprägten Malstils Leonardo da Vincis, dessen Effekte sich durch ihre rauchige Weichheit auszeichnen. Neben diesen beiden berühmten Malern lohnt sich auch ein Blick auf Georg de la Tour und Francisco de Zurbarán, ebenfalls bedeutende Vertreter der Chiaroscuro Malerei.

Die auf dieser Seite eingestellten Bilder sind Gemälde die alle mit einer Eitempera-Untermalung versehen sind. Die Oberflächen wurden mit Öllasuren bearbeitet. Allein das  abgebildete dreieckige Gemälde zeigt schon einen Materialmix, in dem auch Sand und Blattgold Komponenten der Oberfläche bildeten. Diese Gemälde lassen sich in einer größeren Serie zusammenfassen die mit "Verwundungen" überschrieben war. Leider liegt nicht genug Foto-Material vor, um diesen Werk-Zyklus vollständig zu dokumentieren.

 

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Stillleben mit Schmetterlin
Stilleben mit Schmetterling
Öl auf Leinwand | 120 x 50 cm
Privatsammlung, Saarbrücken

 

 

 

Akt mit Tuch gross

 























 

 








Akt mit Tuch
Öl auf Leinwand

Privatsammlung, Hamburg

 





Verwundungen G
Verwundungen
Mischtechnik auf Holztafel

Privatsammlung

 

 

 

Torso Gross
Torso
Öl auf Holztafel
Privatsammlung

 
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Trakl-Zyklus

 

In den Jahren 1987/88 entstand der Trakl -Zyklus. Ausgestellt wurde ein Teil der entstandenen Bilder und Grafiken im Verein MUSIKonTEXTE in Saarbrücken. Eine kleine Auswahl aus diesem Projekt ist hier zu sehen.Die lebensgroße Plastik Dich sing ich wilde Zerklüftung wurde in den Jahren 2013/14 fertig gestellt. Sie gehörte nicht zum ursprünglichen Zyklus, vervollständigt ihn aber, da ich mit den damaligen Bildlösungen zu dem Gedicht Die Nacht, nie so recht zufrieden war.

 

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Verwandlung
Verwandlung

Oxidiertes Blattsilber, Tusche, Schellack und Ölfarbe auf Silberstiftgrund auf Karton 70x96 cm, 1988
Private Kunstsammlung, Berlin

 

 

 

 

sonja

Sonja
Tusche und Aquarell auf Karton 32,5x50 cm, 1987

 

 

 

Sonja

Abend kehrt in alten Garten;
Sonjas Leben, blaue Stille.
Wilder Vögel Wanderfahrten;
Kahler Baum in Herbst und Stille.

Sonnenblume, sanftgeneigte
Über Sonjas weißes Leben.
Wunde, rote, niegezeigte
Läßt in dunklen Zimmern leben,

Wo die blauen Glocken läuten;
Sonjas Schritt und sanfte Stille.
Sterbend Tier grüßt im Entgleiten,
Kahler Baum in Herbst und Stille.

Sonne alter Tage leuchtet
Über Sonjas weiße Brauen,
Schnee, der ihre Wangen feuchtet,
Und die Wildnis ihrer Brauen.

 

 

 

 

 

 unter dornenboegen
Unter Dornenbögen

Tusche und Aquarell auf Karton 28,2x40,9 cm, 1988

 

 

 

245 WV 409 88 Unter Dornenboegen TZ

Unter Dornenbögen
Mischtechnik auf Karton 28,7 x 41,4 cm | 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

UNTERGANG


Über den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen.
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
Über unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.

 

 



Geburt
Geburt

Tusche auf Karton 19x23 cm, 1988
Private Kunstsammlung, Saarbrücken

 

 

Geburt

Gebirge: Schwärze, Schweigen und Schnee.
Rot vom Wald niedersteigt die Jagd;
O, die moosigen Blicke des Wilds.


Stille der Mutter; unter schwarzen Tannen
Öffnen sich die schlafenden Hände,
Wenn verfallen der kalte Mond erscheint.


O, die Geburt des Menschen. Nächtlich rauscht
Blaues Wasser im Felsengrund;
Seufzend erblickt sein Bild der gefallene Engel,

Erwacht ein Bleiches in dumpfer Stube.
Zwei Monde
Erglänzen die Augen der steinernen Greisin.

Weh, der Gebärenden Schrei. Mit schwarzem Flügel
Rührt die Knabenschläfe die Nacht,
Schnee, der leise aus purpurner Wolke sinkt.




 

 

grodek

Grodek
Mischtechnik auf Karton 35x48,5 cm, 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düster hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,
Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

 





Trakl G

Georg Trakl
Oxidiertes Blattsilber und Farbe auf Nesselgewebe 39x52 cm, 1988
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

43 D s i Seitl Duplex

Dich sing ich wilde Zerklüftung
Mixed Media, Höhe: 186 cm  Breite: 55 cm Tiefe: 30 cm
Oberfläche: oxidierte Silberschichten, 2014

 

 

 

Die Nacht

Dich sing ich wilde Zerklüftung,
Im Nachtsturm
Aufgetürmtes Gebirge;
Ihr grauen Türme
Überfließend von höllischen Fratzen,
Feurigem Getier,
Rauhen Farnen, Fichten,
Kristallnen Blumen.
Unendliche Qual,
Daß du Gott erjagtest
Sanfter Geist,
Aufseufzend im Wassersturz,
In wogenden Föhren.

Golden lodern die Feuer
Der Völker rings.
Über schwärzliche Klippen
Stürzt todestrunken
Die erglühende Windsbraut,
Die blaue Woge
Des Gletschers
Und es dröhnt
Gewaltig die Glocke im Tal:
Flammen, Flüche
Und die dunklen
Spiele der Wollust,
Stürmt den Himmel
Ein versteinertes Haupt.

 

 

 

 

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Baudelaire-Zyklus

 

 

 

BZ femmes damnees

Femmes damnées II
Eitempera, Ölkreide auf Leinwand 40x50 cm, 1990
Private Kunstsammlung



 

Les Fleurs du mal
Hommage à Charles Baudelaire

Bemerkungen zu einem Bilderzyklus von Christoph M Frisch
von Armin Schmitt | 1990

„Des Künstlers Blick voll Lust den holden Körper schaut“ lautet ein Vers im Gedicht „A la Malabaraise“ von Baudelaire. Ob der lustvolle Blick auf den „holden Körper“ ein Spezifikum künstlerischer Wahrnehmung ist, mag dahin gestellt sein; dass er aber eine nicht zu übersehende Perspektive Christoph M Frischs ist, das verraten seine Bilder. Mehr noch, Frischs kreativer Impuls ist Ursache einer doppelten Lust: seiner eigenen – welch ein vergnüglicher Kampf muss es doch manchmal sein, stundenweise-tageweise, über einem Körper zu sitzen, ihn zu modellieren, einzufärben, auszukratzen, zu zerstören, neu zu schaffen – und unserer, des Betrachters Lust, indem er der Künstler, die Figur so haut-nah und, als Abbild, doch so unerreichbar fern vor uns hinstellt und sogar überlässt, sofern sich unsere Lust noch in einem einigermaßen tolerablen Verhältnis zum Vermögen verhält.

 

 

Die Erkenntnis, auf die ich eigentlich hinaus will, ist ganz einfach: Es gibt kaum ein Bild von Frisch, indem der Körper – oder etwas weitläufgiger formuliert: die menschliche Figur – nicht im Vordergrund stünde. „Ein Bild ohne menschliche Figur“, so bekennt er selbst, „erscheint mir leer, und ich bringe dergearteten Sujets nur selten die Konzentration entgegen, die ein Bild zu seiner Entstehung benötigt.“ - Die Anordnung der Figuren innerhalb der Bildfläche oder dem Bildraum ist sein formales Thema, das ihn immer wieder reizt, ob ihn nun gerade Trakl – wie letztes Jahr – oder – wie augenblicklich – Baudelaire oder ein freies Spiel beschäftigt: stürzende Menschenkaskaden, Figuren, frei schwebend im Raum, ohne Boden unter den Füßen, serielle Personenkonstellationen, neben Körperformationen von beinahe statuarischer Ruhe, die zwischen schemenhafter Archaik und delikatem Realismus oszillieren, findet man allemal.

 

 

Wohl konturiert entlässt der Bildhintergrund bisweilen die Gestalt, während er selbst sich ins Ungefähre verliert. Beharren die Figuren auf dem Gegenständlichen, Realistischen – mit anderen Worten: werden traditionell gemalt, wird die Struktur des Bildhintergrundes beinahe collagenartig konstruiert aus Liniengerüsten, geometrischen Formen, Textfragmenten, angedeuteten Körperumrissen, kontrastreichen expressiven Farbzonen und diffusen Farbschlieren, die sich in Ocker und Weiß über das Bild ziehen. Virtuose Balanceakte zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion sind die Bilder von Frisch. Gerade diese Mischung ist es, die mich reizt, die mir die Bilder manchmal entrückt, sie vieldeutig macht, bizarr, surreal oder wie immer man es nennen mag, und damit auch für die eigene Fantasie die Tür offen hält.

 

Beim betrachten der großformatigen Bilder ist unübersehbar, dass da einer mit dem Bild einen manchmal akribischen, manchmal heftigen Dialog führte: Kratzspuren, Fragmente von verworfenen Figuren, durchschimmernde frühere Bildentwürfe, sind nicht dekoratives Beiwerk, sondern Arbeitsspuren, die auf den Entstehungsprozess des Bildes verweisen. Schicht legt sich über Schicht, Formen und Farben wurden ständig korrigiert und revidiert. Diese sinnlich wahrnehmbare Dialektik von Zerstörung und Suche nach der neuen, der besten Form, wird nicht geleugnet, sondern ist ganz wesentliches Kompositionselement. Wenn Frisch sich ans Werk macht, hat er zwar eine Bildidee, aber kein bestimmtes Ziel im Kopf, keine Entwürfe schränken ihn ein. Vollendet ist das Bild dann, wenn der anregende Dialog zu Ende kommt, wenn Einverständnis besteht oder wenn sich Bild und Künstler nichts mehr zu sagen haben.

 

Wer so arbeitet kann schwerlich ein Illustrator sein, weil jedes Bild

eine ihm eigene Dynamik entwickelt.

 

 

Wer so arbeitet kann schwerlich ein Illustrator sein, weil jedes Bild eine ihm eigene Dynamik entwickelt. Zwar ergeben sich viele Bildideen aus einer intensiven Auseinandersetzung, ja dem Leben, mit Büchern und Musik, was aber aus dieser Auseinandersetzung entsteht – ist immer Eigenes, das sich weitgehend emanzipiert hat von der inspirativen Quelle. Es sind eigenwillige Übertragungen in die ihm gemäße Sprache. Wenn Frisch diesen Bilderzyklus Baudelaire widmet, für seine Bildtitel Anleihen bei dessen legendären „Fleurs du mal“ macht, so mehr aus Sympathie für den großen Lyriker und Nonkonformisten, denn aus der Absicht heraus, dessen Gedichte zu bebildern. Diese Affinität zu Baudelaire hat längst schon Geschichte im künstlerischen Werk Frischs: 1982 fand eine erste Ausstellung mit Werken statt, die von Baudelaire inspiriert waren, 1985 erschien eine Grafik-Mappe Le Vin | Hommage à Charles Baudelaire.

 

 

Obwohl der Bilderzyklus einen hohen Grad an Eigenständigkeit beansprucht, lassen sich doch verschiedene Ebenen der Beziehungsnahme aufspüren. Unmittelbare Textbezüge findet man am ehesten noch in den Bildern „Le vin de l'assassin“ oder „Le Vin des amants“, Alchimie de la douleur“, kann man gerade noch als eine Art Personenallegorie zum Baudelairschen Text verstehen, in anderen Bildern erweitert die Farbmetaphorik Baudelaires die Vorliebe Frischs für Pastelltöne um grelle, ungebrochene Töne: Rot, Gelb, Blau.

 

Aber es wäre müßig, mit den „Blumen des Bösen“ in der Hand, die Bildgalerie nun abzuschreiten. Lassen sie sich einfach von ihr gefangen nehmen. Christoph M Frischs Bilder lassen genug Raum für das eigene Erleben. Textfragmente geben weiter Anregungen, spannen zusätzliche Bedeutungsebenen auf und die Figuren bzw. Figurenkonstellationen, sind nicht Selbstzweck, sondern erzählen ihre Geschichte, sind Momentaufnahmen eines komplexen Geschehens, das es zu ergründen gilt.

 

Eine melancholische Grundstimmung spricht – nach meinem Empfinden – aus vielen der Bilder. Die Farbigkeit, die Körperhaltung der Figuren, die Wahl der Titel verstärkt diesen Eindruck, bilden gleichsam wieder eine Brücke zu den „Blumen des Bösen“. Ein Gedicht, „Recueillement“, das der Einladungskarte beigegeben war, möchte ich abschließend in deutscher Übersetzung in Erinnerung rufen und ihnen mit auf den Weg durch die Ausstellung geben.

 

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290 EK MUSIKonTEXTE 90 BZ
Einladungskarte zur Ausstellung im Verein MUSIKonTEXTE, Saarbrücken | 1990


 


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280 WV 741 90 Madrigale Triste BZ
Madrigale Triste

Eitempera, Ölkreide auf Leinwand 40x50 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

BZ Femmes
Femmes damnées
Eitempera,auf Leinwand 40x50 cm, 1990
Private Kunstsammlung, Homburg



 

 

 

Port Baud
Portrait Charles Baudelaire
Mischtechnik auf Papier 16,8x18,9 cm, 1990


 

 

273 WV 718 90 OT BZ

Ohne Titel
Mischtechnik auf Papier 27,5x21,3 cm, 1990

 

 

 

 

274 WV 790 90 Les Bijoux BZ
Les Bijoux
Eitempera, Pigment auf Nessel 40x50 cm, 1990
Private Kunstsammlung Stuttgart

 

 

 

 

 

275 WV 748 90 Alchemie de la douleur BZ
Alchimie de la douleur
Eitempera, Pigment auf Ingreskarton 23,9x32 cm 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

276 WV 720 90 Femmes damnees BZ

Femmes damnées
Mischtechnik auf Papier 30x42 cm, 1990
Private Kunstsammlung Saarbrücken

 

 

 

 

281 WV 787 90 Alchimie de la douleur BZ

Alchimie de la douleur
Eitempera, Pigment auf Nessel 80x100 cm, 1990
Private Kunstsammlung Hamburg

 

 

 

 

 

 

282 WV 788 90 Le voyage BZ

Le Voyage
Eitempera, Pigment, Ölkreide auf Nessel 60x80 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

283 WV 774 90 Le vin des chiffoniers BZ

Le Vin des Chiffoniers
Eitempera auf Karton 31x43 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

284 WV 737 90 Lesbos BZ

Lesbos
Mischtechnik auf Papier 32,2x38,5 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

285 WV 736 90 A une Malabaraise BZ

LA une Malabaraise
Mischtechnik auf Papier 19,2x32,3 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

136 WV 733 90 Le Vin 2

Le Vin de l'assassin
Mischtechnik auf Papier 19,6x32,4 cm, 1990

 

 

 

 

 

288 WV 734 90 Le vin des amants BZ

Le Vin des amants
Mischtechnik auf Papier 19,2x32,2 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

289 WV 735 90 Le vin de solitaire BZ

Le Vin du solitäire
Mischtechnik auf Papier 21x33,4 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

 

287 WV 732 90 L ame du vin BZ

L' âme du Vin
Mischtechnik auf Papier 19x27,1 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 

 

279 WV 775 90 Studienblatt BZ

Studienblatt
Rötel auf Ingreskarton 32x24 cm, 1990
Private Kunstsammlung

 

 

 

 


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